So perfekt war mein Leben noch nie. Traumjob, nette Kollegen, außerdem frisch verliebt. Viele kleine und große Glücksmomente. Klingt alles ganz nach Happy End.
Und doch schwebt da immer noch dieses große ABER über mir.
Wenn alles gut ist – warum bin ich dann traurig?
Vielleicht ist es auch einfach nur so, dass manche Menschen sich ihr Drama erschaffen, wenn gerade keines in Sicht ist?
Seit ich wieder arbeite, habe ich Halluzinationen. Anders lässt es sich einfach nicht erklären, dass im Büro Menschen auf dem gegenüberliegenden Regal sitzen und ich ständig auf der Straße von monströsen Schatten eingeholt werde.
Auf den zweiten Blick entpuppen sich die Beobachter auf dem Regal immerhin als Aktenordner und die Verfolger als Schatten parkender Autos oder Pfützen.
Gefährlich ist nur, dass meine Konzentrationsfähigkeit nach einem langen Arbeitstag gegen Null tendiert. Und damit auch meine Verkehrstauglichkeit. Ich sehe also Dinge, die nicht vorhanden sind – dafür sehe ich Dinge, die vorhanden sind, nicht. Ungünstig, wenn man zum Beispiel eine Straße überqueren will und das abbiegende Auto nicht wahrnimmt.
Übrigens kann mein Körper noch andere seltsame Dinge: Krankheitssymptome haben, obwohl mein Arzt sagt, dass mir nichts fehlt. Höchstens vielleicht Urlaub.
Herzlich Willkommen in einem Land, in dem Arbeitnehmer noch Humankapital sind und ganz nach Belieben auf die Straße gesetzt werden können.
In einem Land, in dem Banker und Manager tun und lassen können, was sie möchten.
In einem Land, in dem Bildung von Geldbeutel und Seilschaften der Eltern abhängt.
In einem Land, das auf Umwelt und Gesundheit scheißt auf Kohle- und Atomkraft setzt.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, was habt ihr euch DABEI nur gedacht?!
Sie tun es bei jeder Gelegenheit. Im Bett, in der U-Bahn, bei meinen Freunden, am Telefon.
Im Liegen, im Sitzen, mit Alkohol oder ohne.
Kann mir mal jemand verraten, warum Männer SO VIEL Schlaf brauchen?!
So, bevor es für meine Mitmenschen
gefährlich wird (ich bin Waage), werde ich heute mal wieder das eine oder andere Lebenszeichen in die Welt hinausschicken. Mittels dieser tollen Erfindung, durch die man auch über größere Entfernungen kommunizieren kann (nein, damit meine ich nicht das Internet, Ihr Süchtigen! ;-)).
Und ich werde versuchen, nächste Woche gnädig zu sein. Den Menschen gegenüber, die sich
nicht mit mir anlegen.
Gestern im Kino: Im Vorprogramm lief der Trailer für den neuesten Roland Emmerich Endzeit Blockbuster. Das wenig überraschende Ende des Trailers: Die Welt geht unter!
Womit ich nicht gerechnet hatte, war der kaum zu überhörende Kommentar des heimlichen Romantikers neben mir: „Vorher poppen wir aber noch mal, oder?!“
Der Film hieß übrigens „2012“.
Lange hat es mich nicht auf meinem Platz gehalten. Ich habe mich in die Menschenmassen gestürzt, bin versunken in einem Meer aus Armen, tanzenden Körpern.
Ein Blick zur Seite: Ein vertrautes Gesicht lächelt mich an. Muss nichts sagen. Will einfach nur sein. Hier und nirgendwo sonst.
Habe gesungen und geschrieen bis mir die Stimme weggeblieben ist. Bin gehüpft, weil ich nicht anders konnte.
Es ist Sommer in Berlin und ich bin glücklich bis zur Erschöpfung.
Einatmen, ausatmen, … eigentlich ganz einfach. Eigentlich.
Wenn man das Ganze in der richtigen Reihenfolge hinbekommt UND auch noch in ein halbwegs gleichmäßiges Tempo findet – also wenn… - dann darf man auch länger im Kinderparadies bleiben.