Der alltägliche Irrsinn
Seit ich wieder arbeite, habe ich Halluzinationen. Anders lässt es sich einfach nicht erklären, dass im Büro Menschen auf dem gegenüberliegenden Regal sitzen und ich ständig auf der Straße von monströsen Schatten eingeholt werde.
Auf den zweiten Blick entpuppen sich die Beobachter auf dem Regal immerhin als Aktenordner und die Verfolger als Schatten parkender Autos oder Pfützen.
Gefährlich ist nur, dass meine Konzentrationsfähigkeit nach einem langen Arbeitstag gegen Null tendiert. Und damit auch meine Verkehrstauglichkeit. Ich sehe also Dinge, die nicht vorhanden sind – dafür sehe ich Dinge, die vorhanden sind, nicht. Ungünstig, wenn man zum Beispiel eine Straße überqueren will und das abbiegende Auto nicht wahrnimmt.
Übrigens kann mein Körper noch andere seltsame Dinge: Krankheitssymptome haben, obwohl mein Arzt sagt, dass mir nichts fehlt. Höchstens vielleicht Urlaub.
Gestern im Kino: Im Vorprogramm lief der Trailer für den neuesten Roland Emmerich Endzeit Blockbuster. Das wenig überraschende Ende des Trailers: Die Welt geht unter!
Womit ich nicht gerechnet hatte, war der kaum zu überhörende Kommentar des heimlichen Romantikers neben mir: „Vorher poppen wir aber noch mal, oder?!“
Der Film hieß übrigens „2012“.
„Hast du schon alle Geschenke?“ Ähm… nö, hab ich nicht. Sollte ich deswegen jetzt ein schlechtes Gewissen haben? Klar, die Zeit rennt! Nur noch 6 Monate! Da sollte man als verantwortungsvolles Unternehmen seine potenziellen Kunden schon mal an ihre Pflichten erinnern: „Kauf, du Sau!“ So stand das natürlich nicht in der Mail, die ich heute bekommen habe. Aber der Absender möchte ja nicht zulassen, dass sich Mariuca die ganzen Schnäppchen entgehen lässt, die NUR AUF SIE warten… ;-)
Gestern am Automaten der Bank meines Vertrauens, bei der ich nun mal ein Konto habe: „Haben Sie einen Moment Geduld. Ihr Geld wird gerade gedruckt“ – Na, schön wär’s…
Es war dann aber doch nur der Beleg meiner Kontoauszüge. Aber man wird ja noch ein bisschen träumen dürfen… ;-)
Erkenntnisse des heutigen Abends: Man sollte sich nicht bekochen lassen, wenn man am nächsten Tag ein Date hat. Oder man sollte zumindest vorher nachfragen, ob Knoblauch im Salatdressing ist. Blöd, wenn man sich an keine der beiden Regeln gehalten hat.
Hatte ich schon erwähnt, dass ich morgen ein Date habe?
Ich habe
es getan. Und bin verwirrter als je zuvor. Aber wer hat eigentlich behauptet, dass es einfach wird?
Spontaner Kurztrip, die Zweite: Habe wieder kurzentschlossen meine Sachen gepackt und mich am nächsten Tag auf eine sechsstündige Reise in die Vergangenheit gemacht. Es war seltsam, wieder in die Kleinstadt zurück zu kehren, die ich vor einigen Monaten hinter mir gelassen habe. Hier habe ich mehrere Jahre meines Lebens verbracht. Menschen kennen gelernt, mit denen ich bis heute befreundet bin. Aber auch solche, zu denen ich den Kontakt abgebrochen hatte.
Es gibt für mich wohl keinen Ort, an dem sich Vergangenheit und Gegenwart so sehr vermischen. Neue alte Eindrücke. Bekannte Gesichter, vertraute Umgebung. Gespräche bis es draußen wieder hell wird. Wenig hat sich verändert. Es war so, als wäre ich nie weg gegangen. Mit dem Unterschied, dass meine Freunde früher bei meinem Anblick nicht so ausgerastet sind.
Und bei den anderen hat mein Auftritt zumindest für Verwirrung gesorgt…
Seit ein paar Tagen haben wir einen Telefonstalker. Mehrmals am Tag ruft ein Unbekannter bei uns in der WG an, sagt aber nichts. Gestern verkündete meine Mitbewohnerin stolz: „Dem hab ich’s gegeben! Der hat jetzt bestimmt `nen Hörsturz!“
Mittlerweile glaube ich, herausgefunden zu haben, wer hinter den mysteriösen Anrufen steckt – eine Freundin von mir. Werde heute mal bei ihr durchklingeln und fragen, ob sie den Schock gut überstanden hat.
Dass unser Telefon spinnt, wäre ja auch zu einfach gewesen.
Die Handwerker bei uns im Haus haben es wirklich gut. Wenn sie früh morgens bei mir klingeln, um meine Heizung zu reparieren, bekommen sie sogar noch "eine schöne Frau zum Frühstück" gratis dazu! Meinte zumindest mein Vermieter heute. Sollte ich jemals einen Zuhälter benötigen, werde ich mich vertrauensvoll an ihn wenden.
Habe es doch tatsächlich geschafft, mich beim Kisten schleppen zu verletzen. Die Schramme am Bein ist der Beweis. Mal wieder typisch… Es lebe das Chaos! Und die Ungeschicklichkeit! Warum gibt es Warnhinweise eigentlich nur auf Zigarettenschachteln?